Zeitungsartikel

Olympiakader-Athleten haben das Training aufgenommen – Bundesligisten müssen sich gedulden

Der Spaziergänger, der am Wochenende an der Anlage des Mannheimer Hockey-Clubs am Feudenheimer Neckarkanal vorbeikam, glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Da trainierte doch tatsächlich eine kleine Gruppe mit dem Ball. Zwar mit ordentlichem Sicherheitsabstand, „aber dürfen die das überhaupt in Zeiten von Corona?“, lautete die durchaus berechtigte Frage des überraschten Passanten.

Sie durften das. Genehmigt wurden die Trainingseinheiten unter Leitung von Peter Maschke, des seit zweieinhalb Jahren für die Sportart Hockey zuständigen Trainers am Olympiastützpunkt (OSP) Rhein-Neckar in Heidelberg durch das Land Baden-Württemberg mit seiner am 10. April erlassenen „Corona-Verordnung Spitzensport“. Diese sieht vor, dass unter anderem Bundeskaderathleten, die an Bundesstützpunkten der Spitzenverbände des Sports – und ein solcher befindet sich beim MHC – trainieren können. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit dürfen sie dabei in Gruppen bis zu maximal fünf Personen mit einem Mindestabstand von eineinhalb Metern zueinander und unter Einhaltung strenger Hygiene-Vorschriften auf den Platz.

„Wir freuen uns sehr, dass unsere Athleten wieder trainieren dürfen“, sagt Falk Fischer, der Bundesstützpunktleiter Mannheim. „In enger Abstimmung mit dem Deutschen Hockey-Bund und den anderen Bundesstützpunkten haben wir uns vorerst darauf verständigt, dass nur Olympiakaderathleten den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen dürfen“, hebt Tischer in diesem Zusammenhang insbesondere die gute Kooperation mit dem OSP in Heidelberg hervor. „Natürlich ist das jetzt noch kein klassisches Training, aber Peter Maschke wird für die acht Olympiakaderathleten Teo Hinrichs, Linus Müller, Justus Weigand (alle MHC), Paul Kaufmann, Alexander Stadler (beide TSV Mannheim) bei den Herren sowie Naomi Heyn, Sonja Zimmermann (beide MHC) und Pauline Heinz (Rüsselsheimer RK) bei den Damen ein kreatives und anspruchsvolles Programm zusammenstellen“. Insgesamt sind wöchentlich zwölf bis 15 Einheiten geplant, Maschke wird den Teilnehmern dabei – es dürfen allerdings nur jeweils maximal vier Athleten zuzüglich Trainer gleichzeitig auf den Platz – ein entsprechendes Zeitfenster anbieten.

Auf den Übungsleiter kommt darüber hinaus eine besondere Verantwortung zu. Er hat sicherzustellen, dass jede Trainingseinheit nach einem strengen Protokoll verläuft. So wird den Teilnehmern unter anderem ein vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) entwickelter Kontaktrisiko-Evaluationsbogen vorgelegt, bei dem elf Fragen beantwortet werden müssen. „Wird nur eine mit Ja beantwortet, dann könnte dieser Athlet nicht am dezentralen Training teilnehmen, sondern müsste sofort den Arzt des OSP aufsuchen“, betont Tischer. Ferner bestehe für die gesamte Trainingseinheit eine umfassende Dokumentationspflicht.

„Wann die weiteren Bundeskaderathleten (Perspektivkader, U21, U18) ihr Training wieder beginnen können, werden wir nach einem Erfahrungsaustausch und zu gegebener Zeit bekannt geben“, kann der Bundesstützpunktleiter derzeit noch keinen exakten Termin nennen. Und auch die beiden Bundesligamannschaften des MHC dürfen momentan nicht auf „ihre“ Platzanlage, sondern müssen sich weiterhin mit individuellem Training begnügen.

Aus der Rhein-Neckar-Zeitung.

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