News

Härtefallantrag: Pieper und Lorenz weg

Die beiden Nationalspielerinnen verlassen kurz vor Saisonbeginn den Mannheimer Hockey-Club und wechseln nach Köln

Mannheim. (leo) Erneuter Paukenschlag beim Hockey-Bundesligisten Mannheimer HC. Gut eine Woche nach der Freistellung von Damentrainer Philipp Stahr und nur einen Tag nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Europameisterschaften in Antwerpen mit der Nationalmannschaft haben die 22-jährige Nike Lorenz (117Länderspiele) und die zwei Jahre ältere Cécile Pieper (129 Länderspiele) bekannt gegeben, dass sie den MHC verlassen und mit sofortiger Wirkung zum Bundesligakonkurrenten Rot-Weiß Köln wechseln werden.

Normalerweise ist nach den Statuten ein Vereinswechsel nach dem 1. August nicht mehr möglich, es sei denn, es wird vom neuen Verein ein Härtefallantrag beim Deutschen Hockey-Bund (DHB) wegen Zuweisung eines Ausbildungs-, Studien-, Praktikums- oder Arbeitsplatzes gestellt. Und diese nach Paragraf 21 der DHB-Spielordnung vorhandene Möglichkeit hat Rot-Weiß Köln genutzt, und der DHB hat innerhalb eines Tages beiden Härtefallanträgen zugestimmt. Denn sowohl für Lorenz als auch für Pieper soll es „auch über die Olympiasaison hinaus maßgeschneiderte Perspektiven in namhaften Kölner Unternehmen“ geben, Lorenz dabei nach Informationen der RNZ als Volontärin im Verlagswesen und Pieper als Trainee im Marketingbereich arbeiten. Derzeit aber studieren sowohl Pieper (Psychologie) und Lorenz (Germanistik) an der Universität Mannheim und sind dabei Nutznießer eines übrigens vom MHC-Mäzen Klaus Greinert initiierten Stipendiums für Spitzensportler der Metropolregion Rhein-Neckar. Außerdem waren Pieper, die aus dem HC Heidelberg hervorging und seit 2005 für den MHC spielt, und Lorenz (seit ihrem Wechsel 2011 vom Wiesbadener THC beim MHC) bisher Mitglied im „Team Tokio“ der Metropolregion Rhein-Neckar.

Für den MHC, der jetzt bei seinem Damenteam die Abgänge neun und zehn zu verkraften hat,kam dieser Wechsel knapp zwei Wochen vor Beginn der Feldsaison wie aus heiterem Himmel. Sowohl Trainer Nicklas Benecke als auch der sportliche Leiter Peter Lemmen waren von beiden Spielerinnen telefonisch und die Mannschaft per WhatsApp über ihren Schritt informiert worden. „Wir waren zunächst richtig schockiert, und es war gleichzeitig eine große menschliche Enttäuschung dabei“, schilderte Coach Benecke die erste Gefühlslage im Team. „Doch nachdem die erste Nacht überschlafen war, wurde im Training aber schon wieder positiv nach vorne geschaut. Dieser auch quantitative Verlust kann andererseits eine Chance für uns sein, ein neues Team zusammenzuführen. Das zuvor ausgegebene Saisonziel Endrunde muss man jetzt allerdings überdenken“, betonte Benecke. „Der Zeitpunkt des Wechsels kommt für uns alle ziemlich überraschend und ist so kurz vor Saisonbeginn natürlich auch sehr knapp, wir wünschen den Beiden aber dennoch viel Erfolg bei Rot-Weiß Köln und weiterhin in der Nationalmannschaft“, zeigte sich auch Lemmen professionell.

Aus der Rhein-Neckar-Zeitung.

Share