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aus der RNZ: Gold und Silber sind eine stolze Ausbeute

Die Hockey-Frauen wurden in Berlin Hallenweltmeister, die Herren verloren das Endspiel gegen Österreich im Penaltyschießen

 

Berlin. (leo) Zum Doppeltriumph für Deutschland vor eigenem Publikum hat es zwar bei den 5. Hallenhockey-Weltmeisterschaften in Berlin nicht gereicht, doch mit dem Titel für die Damen und der Silbermedaille für die Herren kann der Deutsche Hockey-Bund (DHB) zufrieden sein. Zunächst hatten die Damen im Duell zweier bis dahin ungeschlagener Mannschaften nach ihrer besten Turnierleistung im Finale Titelverteidiger Niederlande mit 2:1 (0:0) bezwungen und sich damit für die Finalniederlage von Leipzig im Jahr 2015 revanchiert. Anschließend unterlagen die Herren im Endspiel gegen Österreich den bis dahin ebenfalls verlustpunktfreien Alpenländlern mit 5:6 nach Penaltyschießen, die damit zum ersten Mal Weltmeister wurden.

Es war eine unglaubliche Stimmung in der mit 8300 Zuschauern an den beiden Schlusstagen ausverkauften Max-Schmeling-Halle und damit der größten Kulisse, die je bei einer Hallenkonkurrenz registriert wurde. Mit „Deutschland, Deutschland“-Chören und rhythmischem Klatschen wurden beide Teams permanent angefeuert. Und diese Begeisterung übertrug sich auf die Akteure auf dem Hallenboden, die so auch schwächere Phasen überstanden.

Im Damenfinale war Deutschland durch ein Strafeckentor nach 26 Minuten in Rückstand geraten, doch Nike Lorenz vom Mannheimer HC glich drei Minuten später mit einem verwandelten Siebenmeter zum 1:1 aus. Es war der siebte Turniertreffer der erfolgreichsten Torschützin der deutschen Mannschaft, in der auch Lorenzens Vereinskameradin Cécile Pieper in der Offensive starke Akzente setzte. Die Hamburgerin Anne Schröder schloss dann einen Alleingang acht Minuten vor dem Ende mit dem Siegtreffer ab.

Ohne besonders zu glänzen, hatten die Damen am Samstagmittag nach Toren von Lisa Altenburg (2) und Marie Mävers durch einen 3:1 (2:0)-Erfolg über Polen das Halbfinale erreicht. In der Vorschlussrundenbegegnung gegen den Europameisterschaftsdritten und späteren WM-Dritten Weißrussland war es beim 3:2 (1:1) noch knapper. Aber der in den letzten sechs Minuten in Unterzahl erkämpfte Erfolg – Weißrussland hatte seine Keeperin durch eine sechste Feldspielerin ersetzt –, den Altenburg, Lorenz und Mävers sicher stellten, war letztlich verdient.

Als im Herrenendspiel Christopher Rühr mit seinem 19. Turniertreffer – er war damit bester Torjäger aller Teams – nach 26 Minuten zum 3:1 traf – zuvor waren Kapitän Martin Häner und Martin Zwicker erfolgreich gewesen –, schien alles auf den zweiten Titelgewinn an diesem Tag hinauszulaufen. Doch der Anschlusstreffer von Österreichs Topscorer Michael Körper nach 33 Minuten brachte wieder Spannung in die Partie, die Deutschland zuvor überwiegend bestimmt hatte. Und nach Herausnahme des Torwarts zugunsten eines sechsten Feldspielers war es erneut Körper, der eine Minute vor Schluss per Strafecke zum 3:3 ausglich. Körper wurde schließlich zum Matchwinner, als er den entscheidenden Penalty zum 6:5 für sein Land verwandelte und das deutsche Team, in dem mit dem starken Defensivmann Danny Nguyen und Stürmer Fabian Pehlke (insgesamt sieben Turniertreffer) zwei Spieler des Mannheimer HC spielten, ins Tal der Tränen stürzte.

Keinerlei Probleme hatte der Favorit im Halbfinale am Samstagnachmittag gegen den späteren WM-Dritten Iran gehabt, der schon bei der Weltmeisterschaft 2015 in Leipzig die Vorschlussrunde erreicht und am Ende nach einer 2:13-Niederlage gegen Deutschland Platz vier belegt hatte.

Beim 6:2 (3:1)-Erfolg war zwar zunächst Rühr mit einem Siebenmeter am gegnerischen Keeper gescheitert, dann jedoch dominierte Deutschland die Begegnung nach Belieben und kam nie echt in Bedrängnis. Mit den Toren von Rühr (3), Häner, Pehlke und Ferdinand Weinke war das Endspiel schließlich perfekt gemacht worden. Schwerer hatte es dagegen Europameister Österreich, der gegen die körperlich robusten Australier nach zwei Toren Körpers knapp mit 2:1 (1:0) die Oberhand behielt und wie bereits 2015 erneut ins Finale einzog – diesmal mit dem besseren Ende.

Hans-Joachim Heinz

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